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Ich freue mich, Sie auf meiner Homepage begrüßen zu können. Informieren Sie sich auf meiner Internetpräsenz über literarische Neuerscheinungen, die Literaturzeitschrift aus OWL "Tentakel", den Wettbewerb "Jugend schreibt", neue Bilder und die Familie Bronisch

 

Überarbeitet: 17.9..2017

Gedicht  gelesen in Skopje 2011.

Mutter über der Stadt

https://www.youtube.com/watch?v=KM-1ffJiVsA

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Kindheit und Alter, Fotage 2017

Kindheit und Alter, Fotage 2017

Palenque, Mexiko, Radierung 2014

Bielefeld vom Johannisberg, Rad. 2013

http://www.fabelhafte-buecher.de/buecher/autoren-und-schriftsteller/matthias-bronisch/

 

Interview mit "fabelhafte-bücher.de"

 

 

Matthias Bronisch

Ein Schmetterling

 

Sie tritt auf die Straße. Die Tür schlägt hinter ihr zu. Das war’s also! Was soll nun werden? Was werden soll, hatte ihr Rechtsanwalt gesagt, kann ich Ihnen nicht sagen, aber was ist: Sie sind eine bankrotte Geschäftsfrau. Das ist! Und was soll werden? So kann sie nicht nach Hause kommen, mit leeren Händen. Alles verloren! Gibt es denn gar keine Möglichkeiten mehr? Sie war zu leichtgläubig gewesen, hatte zu sehr vertraut, aber auf was? So ist es im Geschäft, da bringt jeder seine Schäfchen ins Trockne. Vertrauen, was zählt das schon. Blauäugig ist sie gewesen, so jedenfalls hatte sich der Rechtsanwalt ausgedrückt. Sie hätten misstrauisch sein müssen bei dem Angebot. Aber Sie, Sie glauben an das Gute im Menschen, das hätten Sie nicht tun dürfen. Es geht immer um den Vorteil, nicht um eine gute Gabe.

Ihr Schritt ist müde und langsam, sie ist unschlüssig, wohin sie sich wenden soll. Wie soll sie weitermachen, wie soll sie es ihnen sagen? Kein Ausweg, auch der Rechtsanwalt hatte ihr keinen angeboten. Da ist nichts zu machen. Natürlich können wir einiges versuchen, aber eine Aussicht, etwas zu retten, nein, ich sehe keine. Und sie? Sie sieht auch keine, nichts, nur Leere, kein Weg, kein Halt, nichts, was ihr nach einer Lösung aussieht.

Sie betritt den Zebrastreifen. Ein Wagen reißt sie mit sich und schleudert sie auf die Verkehrsinsel zurück. Neben der roten Ampel steht eine Frau mit einem kleinen Mädchen, das krampfhaft die Hand ihrer Mutter ergreift. Plötzlich reißt es sich los und streckt ihre Hand aus.

„Sieh mal, da fliegt ihre Seele!“

„Nein Kind, das ist ein Schmetterling!“

 

 

 

Die Vergangenheit ist auch meine Zukunft, wie sie seit den 60er Jahren meine Gegenwart ist. Bergen-Belsen hat mir vor Augen geführt, was mein Schicksal hätte sein können, wenn ich einige Jahre früher geboren worden wäre: schuldig zu werden.

Matthias Bronisch

Cellenschmelz

            (nach einem Besuch im ehemaligen KZ Bergen-Belsen bei Celle)

 

In das sauber gefegte

Kopfsteinpflaster

und die überhängenden Blumen

in die schmucke Quadratur

der Fachwerkbalken

 

sind eingelassen

 

die exakte Quadratur

der Barackenwege

die überkragenden Sicherheitszäune

und die gepflegte

Grablandschaft

 

Weiden, Radierung 2005

Begegnung im Grünen

 

Kennen wir uns ich meine irgendwie aber das mag auch eine Täuschung sein nun gut wenn ich darf setze ich mich zu Ihnen der Tag scheint ja ganz schön zu werden – Sie müssen nichts sagen wenn Sie nicht wollen ich rede sowieso ganz gerne häufig auch mit mir alleine aber wenn jemand zuhört noch besser und dann noch jemand der einem nicht dauernd ins Wort fällt warumlächeln Sie über mich nun ja auch das bin ich gewohnt heute tut es nicht mehr weh das ist vorbei na ja ganz sicher bin ich nicht Sie sehen merkwürdig aus wahrscheinlich sind Sie nicht von hier schön dann sind wir schon zu zweit ich habe mich hier auch nie heimisch gefühlt bin viel rum gekommen und da gab es schon Momente in denen ich dachte aber dann war es schon vorbei und nachjammern wollte ich nicht hier bin ich dann hängen geblieben irgendwo bleibt man immer hängen wenigstens wenn es nicht mehr so flott geht nur dass Sie keinen falschen Eindruck haben ich bin noch nicht so weit dass ich hier ein Päuschen einlege ziehen Sie keine falschen Schlüsse daraus jeder braucht mal eine Pause man muss mal Luft holen man ist doch nur ein Mensch keine Maschine Sie sehen sehr zufrieden aus haben wohl immer Glück oder auch Erfolg gehabt das kann nicht jeder von sich sagen aber mein Gott das ist auch nicht alles was heißt schließlich Glück und Erfolg jeder ist seines Glückes Schmied einen blöderen Satz gibt es doch gar nicht als könne man diese Hure Glück so mir nichts dir nichts für sich vereinnahmen da denkst du du hast das Glück bei den Haaren das meine ich wörtlich sie war ein liebes hübsches Wesen da heißt es Abschied nehmen nein Glück heißt immer auch Absturz besser ruhiges Gleichmaß doch auch das na ja einmal den Kopf etwas gehoben schon saust irgendetwas auf dich nieder Sie haben keine Kinder hab ich Recht aber wie komme ich jetzt darauf na ja man denkt da ist das Leben um einen und was bleibt du bist am Ende doch wieder aber Schwamm drüber Hoffnung ist auch so eine trügerische Erscheinung der Kopf produziert und wenn du dich umsiehst war es nur eine fata morgana nicht dass Sie jetzt einen falschen Eindruck haben ich bin noch nicht fertig dass ich hier mit Ihnen sitze sagt gar nichts mal eine Pause tut gut man holt Luft für die nächsten Schritte nur wohin der Weg wird beschwerlicher aber ich sag ja keine falschen Schlüsse bitte da ist noch allerhand was zu erledigen ist so schnell gebe ich nicht auf ich weiß was Sie jetzt denken und Sie haben sicher Recht aber man muss nicht immer alles von der Ewigkeit aus betrachten immer die Lichtjahre im Kopf haben und dann auf die kurze Spanne sehen und sich kleiner machen aber verdammt noch mal Sie haben Recht es sind nur Millisekunden die wir aufglühen

Nun gut lassen Sie uns gehen

Seerosen, Holzschnitt
Akt, Holzschnitt (3 Platten)

Erkläre mir Liebe

 

Erkläre mir Liebe!

Sprich leise,

leise;

nicht lauter als der Flügelschlag des Schmetterlings.

                                                                                                                                   
Erzähl mir nichts von Orpheus’Klagen,

vielleicht vom Licht, das übers Wasser Zeichen gibt.

 

Ich will  nichts wissen von dem Jammern Lears.

Sprich mir vom Faden, der durch zwei Hände läuft

und nachts zurück sich wickelt auf das Knäuel.

 

Ich will von dir nicht hören

die Schmeichelreden Cyranos.

Was sind sie gegen jenes Ach instiller Kammer,

wo das Spinnrad surrt.

 

Erkläre mir Liebe,

die zwei Bäume wachsen lässt,

in deren Rauschen

leise die Qual verstummt.

 

 

 

 

 

Matthias Bronisch

Vergessen

 

So vieles vergessen

oft ganz besessen

mich zu erinnern

und doch vergessen

 

Dann kommt das Erinnern

mit einem Wimmern

wenn durch ein Fenster

nachts die Gespenster

die Träume durcheilen

mich hetzen auf Wegen

völlig entlegen

von meinen Orten

ich ringe nach Worten

den Weg zu erfragen

 

In solchen Nächten

und den folgenden Tagen

jagen Gedanken

nach Erinnerungsfetzen

hetzen durch Zeiten

die längst vergangen

durchmessen Gefilde

die dem Vergessen

in Not übergeben

 

Doch aus dem Innern

steigt dann das Wimmern

wenn Erinnrung erwacht

im Traum in der Nacht

 

 

 

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