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Überarbeitet: 8. Oktober 2020

Gedicht  gelesen in Skopje 2011.

Mutter über der Stadt

https://www.youtube.com/watch?v=KM-1ffJiVsA

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Einfühlung und Abstraktion in der Kunst Ernst Lindemanns

Kaum eine Dissertation in der Kunstgeschichte hat soviel Diskussionen ausgelöst wie „Abstraktion und Einfühlung“ (1905) von Wilhelm Worringer.  Sein neuer Blickwinkel auf die Entstehung von Kunst, auf den Umgang des Künstlers mit der ihn umgebenden Welt, hilft beim Verständnis der Kunst.

Die abendländische Kunst ist bestimmt von einem Einfühlen in die Welt, die den Künstler umgibt, er liebt diese Welt, sie gibt ihm Maß und Raum. Da ist keine Flucht vor dem Unbeherrschbaren, da schrecken nicht Donner und Blitz, da tritt der Mensch nicht die Flucht in die Glückseligkeit des Jenseits an. Die griechischen Götter sind menschlich, sind in den Räumen, in denen auch der Mensch lebt, zu Hause. Das bleibt nicht so. Im Mittelalter unter der christlichen Religion bedeutet der Glaube wieder Erlösung von irdischer Beschwernis, aus dem Jammertal. In dieser Zeit kommt es zu stärkerer Abstraktion. In der Gotik, vor allem in der gotischen Architektur, ist eine Jenseitsflucht bestimmend.

Doch mit der Renaissance wendet sich der Künstler und natürlich wenden mit ihm die Menschen sich dem Diesseits zu, der Mensch entdeckt wieder sein Ich und er entdeckt die Welt, in der er Gott nun zu finden meint. Mit der Hinwendung zur Welt entsteht das Landschaftsbild, das sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte zum bestimmenden Thema entwickelt, bis es seinen Höhepunkt im Impressionismus erreicht.

Hier setzt die Malerei Ernst Lindemanns ein. Er, der durch ein traumatisches Erlebnis zu Beginn seiner Jugend, aus der Bahn geworfen wurde, entscheidet sich für den künstlerischen Weg, der oft auch Einsamkeit bedeutet. Er wählt den Brotberuf der angewandten Kunst, aber in seiner Lebensbeschreibung nennt er sein künstlerisches Schaffen sein Eigentliches. Doch zu Anfang spielt er die künstlerischen Wege seiner Zeit nach, den Impressionismus, den Jugendstil, ehe er zu dem kräftigeren Zugriff des Expressionismus kommt. Während er in seiner Ausbildung auch immer wieder Portraitzeichnungen gemacht hat, ist der Mensch als Gegenstand seiner Kunst selten, nämlich nur als Selbstportrait. Er ist ganz auf die Landschaft konzentriert, nicht die liebliche der Impressionisten, die leuchtende, sonnige, die blumenbewachsenen Wiesen unter blauem Himmel und leichten weißen Wolken, sondern seine Landschaften sind schwer, oft finster, der Mensch ist nur mit seinen heftigen Eingriffen da oder in den geduckten Hütten. Er selbst ist nicht zu sehen. Warum löst sich Ernst Lindemann so völlig von dem breiten Themenspektrum der Malerkollegen seiner Zeit? Van Gogh, Munch, Nolde, die er in Hamburg sieht, malen auch die Menschen. Er aber fühlt sich in die Landschaft ein, sie allein ist Raum, in dem er sich spüren kann. Ja, er hat den Turm der Johannis-Kirche gemalt, auch Dachgiebel, aber eben keine Stadt mit Menschen, mit Verkehr mit dem Gewirr der Straßen. Für ihn war die Landschaft sein Part, oder sollte man sagen Widerpart? Zu Anfang fühlt er sich noch ein, da sind auch Blumenrabatten, gemähte Felder mit Hocken. Aber die Bilder werden immer bewegter, immer heftiger die Farben, und er gerät tiefer in die Abstraktion, bis schließlich nur Bewegung, Heftigkeit des Farbauftrags und Linienschwung bleiben. Was führt bei Ernst Lindemann zu dieser Abstraktion? Worringer hat die Abstraktion als Kunstform damit erklärt, dass der Mensch sich dem Raum gegenüber, in dem er lebt, verloren fühlt, dass er ihn als Bedrohung sieht, dass er ihn bannen muss in Zeichen, eben in abstrakten Zeichen, die überschaubar und klar sind. Ernst Lindemann schreibt in seinem Aufsatz „Vom Sinn unserer Landschaft“:

„Nicht nur um uns ist unsere nordwestliche Landschaft, sondern auch in uns. Auf Gedeih und Verderb gehören wir zu ihr. Nicht sie kommt zu uns, sondern wir müssen zu ihr kommen.  Weil wir ja nur in ihrer Luft ganz tief atmen können. In dieser Luft, die ungehindert über Felder und Wälder weht, über Heide, Moor und Meer. Leise ist dies Wehen manchmal und dann wieder wird es zum peitschenden Sturm. Wolken rasen, ihre Schatten gespenstern über das weite Land; ein tosendes Miteinander von sprühendem Licht und abgründigem Dunkel, worin alles Dinghafte versinkt. Nach dem Drama wieder die Stille. Helles und Dunkles kämpft nicht mehr, sondern sein Strömen, Wogen will Einheit werden, ein einziges großes, lebendes, atmendes Wesen.“ Etwas weiter heißt es: „. Auch er (der Mensch) neigt sich in erschauernder Ehrfurcht; auch er weiß, dass er hier klein, gering ist, einem Sandkorn gleich, das der Wind wirbelnd entführt.“ (Ernst Lindemann, Vom Sinn unserer Landschaft; in: Lüneburgsche Anzeigen, 3. Blatt.5 Gilbhart/ Oktober 1934)

Die Sprache verrät schon zu Anfang dieses Textes, worum es geht: Gedeih und Verderb, peitschenden Sturm, Schatten gespenstern, abgründigem Dunkel. Seine Behinderung hat ihn den Menschen vielleicht entfremdet. Und die Landschaft? Auch sie hat etwas Bedrohliches, etwas, was den Menschen auszuschließen scheint. Aber Ernst Lindemann kämpft um diese Landschaft, wenigstens zu ihr möchte er gehören, in ihr möchte er zu Hause sein. Bleibt ihm am Ende nur, sie in Zeichen zu bannen? Über weite Strecken hat Ernst Lindemann sich eingefühlt in die Landschaft, sie hat er als seinen Raum erlebt. Doch hat er nicht den Menschen in diesem Raum gesehen. Versteckt, geduckt sind seine Behausungen in der Landschaft versteckt. War es seine Behinderung, die ihn den Menschen entfremdet hat? War es die Landschaft, die ihn nach Halt suchen ließ? War er ein Unbehauster, der nach der Landschaft als dem Zuhause suchte?

Wie er zu Anfang seines Textes beschreibt, scheint sie ihn auszustoßen, sie ist ein ‚abgründiges Dunkel’. So ist vielleicht zu verstehen, dass er zu abstrakteren, ornamentalen Formen kommt, in denen er die Landschaft zu bannen versucht. Worringer versucht die nordeuropäische Entwicklung zu erklären: „Und da ergibt sich ja schon …. die Tatsache, dass in dieser Kunst die Tendenz in ihrem ganzen Anfange eine abstrakte ist, die dem Organischen als Trübung des Ewigkeitswertes möglichst auszuweichen sucht und die wieder mit aller bewusster Absicht die Dreidimensionalität vermeidet und alles Heil in der Fläche sucht.“ (Wilhelm Worringer, Abstraktion und Einfühlung, München 1959, S.143)

So sieht man im oberen Bild wie der Künstler sich einfühlt in das Organische: Blumen, dahinter aufragende Bäume und im Durchblick eine Kirchenwand. Die Welt ist im Stil des Impressionismus erfasst. Das untere Bild drückt die Landschaft in die Fläche, ins Ornamentale. Bannt sie geradezu ins Zeichenhafte, um sich ihr nicht im Einfühlen auszuliefern.

Die beiden Begriffe entsprechen nach Meinung Worringers auf dem Gebiete der Religions- und Weltanschauungsgeschichte „ der Innerweltlichkeit (Immanenz), die sich als Polytheismus oder als Pantheismus charakterisiert und der Überweltlichkeit (Transzendenz), die zum Monotheismus überleitet.“ (a,a.O., S. 143)

Im oberen Bild sind Mensch und Welt im Einklang, während im unteren Bild Mensch und Welt sich entfremdet haben. Kunst wird zum Zeichen, in dem das Strömende, Unfeste, Unstete der Erscheinung gefestigt, gebannt wird. Wenn das einfühlende Sehen den Wind in der Bewegung der Bäume wahrnimmt, in dem Ziehen der Wolken, die Bewegung des Wassers in den Schaumkronen und das wandernde Licht  im Schatten wahrnimmt, dann nimmt das abstrahierende Sehen den Schwung und die Bewegung nur noch in der Führung der Linien, die verschiedenen Farben der Landschaft nur noch in einer symbolischen Farbigkeit wahr, nicht mehr in der Gegenstandsfarbe.

Geriet Lindemann in den 30er Jahren in eine Entfremdung zu seiner Zeit, er galt als entartet, und suchte er daher die Rettung in der Abstraktion? Ist vielleicht die moderne abstrakte Kunst erklärbar als Vertrauensverlust gegenüber einer Welt, die im 20. Jahrhundert aus den Fugen geraten war, und dass damit ein einfühlendes Sehen nicht mehr möglich war? Abstraktion fand im Norden statt, während in Italien und Spanien, selbst noch in Frankreich die Gegenständlichkeit in der Kunst zum großen Teil immer noch erhalten geblieben war.

 

 

Hoffnung, Liebe, Glaube

 

Erbaulich ist eigentlich nur eine Beerdigung! Ich lebe, sogar besonders intensiv, während ich zusehe, wie die vier Männer den Sarg an den straff gespannten Seilen in die Grube hinab lassen. Und dann erst in der Gaststätte, da langen sie zu, Butterkuchen und Schinkenbrötchen, und sie erzählen als ginge es um ihr Leben. Sprechen, lachen, auf die Schulter klopfen, als müssten sie jede Sekunde nutzen, damit ihnen nicht jemand dazwischen fährt und sie zum Schweigen bringt, wie jenen in der Grube. Es wird erzählt, geplant, verabredet, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Da soll keine Pause eintreten, kein Innehalten, das macht verdächtig, als hielte das Leben an.

Wie viel bedrückender ist eine Hochzeit! Dieser Ritt über den Bodensee. Fast die Hälfte dieser so stürmisch, mit so viel Zuversicht begangenen Tage ist der erste Schritt auf einem Weg, an dessen Ende jeder der beiden wieder allein zwischen vier Wänden sitzt und nichts begreifen kann. Dieses Bild vor Augen kann der Gast dem jungen Paar nur in Trauer zusehen und er weint, manchmal ohne es zu wissen. Schon den überladenen Geschenkstisch möchte er vorsichtig aufteilen nach Familien und Freunden, damit in nicht zu ferner Zeit klar ist, wer was zurück fordern darf. Aber die beiden ahnen nichts, und so erhofft der Gast für Sie wenigstens ein paar schöne Tage oder Wochen der Liebe. Doch das Ende, es ist so schrecklich wahrscheinlich.

Noch trauriger ist eine Taufe. Nun gut, viele umgehen diesen Augenblick. Doch wer sich darauf einlässt, dieses kleine unschuldige Wesen, das keine Chance hat, sich zur Wehr zu setzen, einer Organisation anzuvertrauen, dafür sogar noch Leute als Paten haftbar macht, sollte wissen, dass es ein falsches Versprechen ist, das da im Ritus gegeben wird. Niemand wird nach der Grube warten. Und sollte dieses kleine Wesen darauf hoffen, bleibt immer noch offen, ob Feuer oder Manna.

 

Kindheit und Alter, Fotage 2017

Kindheit und Alter, Fotage 2017

Palenque, Mexiko, Radierung 2014

Bielefeld vom Johannisberg, Rad. 2013

http://www.fabelhafte-buecher.de/buecher/autoren-und-schriftsteller/matthias-bronisch/

 

Interview mit "fabelhafte-bücher.de"

 

 

Matthias Bronisch

Ein Schmetterling

 

Sie tritt auf die Straße. Die Tür schlägt hinter ihr zu. Das war’s also! Was soll nun werden? Was werden soll, hatte ihr Rechtsanwalt gesagt, kann ich Ihnen nicht sagen, aber was ist: Sie sind eine bankrotte Geschäftsfrau. Das ist! Und was soll werden? So kann sie nicht nach Hause kommen, mit leeren Händen. Alles verloren! Gibt es denn gar keine Möglichkeiten mehr? Sie war zu leichtgläubig gewesen, hatte zu sehr vertraut, aber auf was? So ist es im Geschäft, da bringt jeder seine Schäfchen ins Trockne. Vertrauen, was zählt das schon. Blauäugig ist sie gewesen, so jedenfalls hatte sich der Rechtsanwalt ausgedrückt. Sie hätten misstrauisch sein müssen bei dem Angebot. Aber Sie, Sie glauben an das Gute im Menschen, das hätten Sie nicht tun dürfen. Es geht immer um den Vorteil, nicht um eine gute Gabe.

Ihr Schritt ist müde und langsam, sie ist unschlüssig, wohin sie sich wenden soll. Wie soll sie weitermachen, wie soll sie es ihnen sagen? Kein Ausweg, auch der Rechtsanwalt hatte ihr keinen angeboten. Da ist nichts zu machen. Natürlich können wir einiges versuchen, aber eine Aussicht, etwas zu retten, nein, ich sehe keine. Und sie? Sie sieht auch keine, nichts, nur Leere, kein Weg, kein Halt, nichts, was ihr nach einer Lösung aussieht.

Sie betritt den Zebrastreifen. Ein Wagen reißt sie mit sich und schleudert sie auf die Verkehrsinsel zurück. Neben der roten Ampel steht eine Frau mit einem kleinen Mädchen, das krampfhaft die Hand ihrer Mutter ergreift. Plötzlich reißt es sich los und streckt ihre Hand aus.

„Sieh mal, da fliegt ihre Seele!“

„Nein Kind, das ist ein Schmetterling!“

 

 

 

Die Vergangenheit ist auch meine Zukunft, wie sie seit den 60er Jahren meine Gegenwart ist. Bergen-Belsen hat mir vor Augen geführt, was mein Schicksal hätte sein können, wenn ich einige Jahre früher geboren worden wäre: schuldig zu werden.

Matthias Bronisch

Cellenschmelz

            (nach einem Besuch im ehemaligen KZ Bergen-Belsen bei Celle)

 

In das sauber gefegte

Kopfsteinpflaster

und die überhängenden Blumen

in die schmucke Quadratur

der Fachwerkbalken

 

sind eingelassen

 

die exakte Quadratur

der Barackenwege

die überkragenden Sicherheitszäune

und die gepflegte

Grablandschaft

 

Weiden, Radierung 2005

Begegnung im Grünen

 

Kennen wir uns ich meine irgendwie aber das mag auch eine Täuschung sein nun gut wenn ich darf setze ich mich zu Ihnen der Tag scheint ja ganz schön zu werden – Sie müssen nichts sagen wenn Sie nicht wollen ich rede sowieso ganz gerne häufig auch mit mir alleine aber wenn jemand zuhört noch besser und dann noch jemand der einem nicht dauernd ins Wort fällt warumlächeln Sie über mich nun ja auch das bin ich gewohnt heute tut es nicht mehr weh das ist vorbei na ja ganz sicher bin ich nicht Sie sehen merkwürdig aus wahrscheinlich sind Sie nicht von hier schön dann sind wir schon zu zweit ich habe mich hier auch nie heimisch gefühlt bin viel rum gekommen und da gab es schon Momente in denen ich dachte aber dann war es schon vorbei und nachjammern wollte ich nicht hier bin ich dann hängen geblieben irgendwo bleibt man immer hängen wenigstens wenn es nicht mehr so flott geht nur dass Sie keinen falschen Eindruck haben ich bin noch nicht so weit dass ich hier ein Päuschen einlege ziehen Sie keine falschen Schlüsse daraus jeder braucht mal eine Pause man muss mal Luft holen man ist doch nur ein Mensch keine Maschine Sie sehen sehr zufrieden aus haben wohl immer Glück oder auch Erfolg gehabt das kann nicht jeder von sich sagen aber mein Gott das ist auch nicht alles was heißt schließlich Glück und Erfolg jeder ist seines Glückes Schmied einen blöderen Satz gibt es doch gar nicht als könne man diese Hure Glück so mir nichts dir nichts für sich vereinnahmen da denkst du du hast das Glück bei den Haaren das meine ich wörtlich sie war ein liebes hübsches Wesen da heißt es Abschied nehmen nein Glück heißt immer auch Absturz besser ruhiges Gleichmaß doch auch das na ja einmal den Kopf etwas gehoben schon saust irgendetwas auf dich nieder Sie haben keine Kinder hab ich Recht aber wie komme ich jetzt darauf na ja man denkt da ist das Leben um einen und was bleibt du bist am Ende doch wieder aber Schwamm drüber Hoffnung ist auch so eine trügerische Erscheinung der Kopf produziert und wenn du dich umsiehst war es nur eine fata morgana nicht dass Sie jetzt einen falschen Eindruck haben ich bin noch nicht fertig dass ich hier mit Ihnen sitze sagt gar nichts mal eine Pause tut gut man holt Luft für die nächsten Schritte nur wohin der Weg wird beschwerlicher aber ich sag ja keine falschen Schlüsse bitte da ist noch allerhand was zu erledigen ist so schnell gebe ich nicht auf ich weiß was Sie jetzt denken und Sie haben sicher Recht aber man muss nicht immer alles von der Ewigkeit aus betrachten immer die Lichtjahre im Kopf haben und dann auf die kurze Spanne sehen und sich kleiner machen aber verdammt noch mal Sie haben Recht es sind nur Millisekunden die wir aufglühen

Nun gut lassen Sie uns gehen

Seerosen, Holzschnitt
Akt, Holzschnitt (3 Platten)

Erkläre mir Liebe

 

Erkläre mir Liebe!

Sprich leise, leise;

nicht lauter als der Flügelschlag

des Schmetterlings.

 

Erzähl mir nichts von Orpheus’ Klagen,

vielleicht vom Licht,

das übers Wasser Zeichen gibt.

 

Ich will nichts wissen von dem Jammern Lears.

Sprich mir vom Faden, der durch zwei Hände läuft

und nachts zurück sich wickelt auf das Knäuel.

 

Ich will von dir nicht hören

die Schmeichelreden Cyranos.

Was sind sie gegen jenes Ach in stiller Kammer,

wo das Spinnrad leise surrt.

 

Erkläre mir Liebe,

die zwei Bäume wachsen lässt,

in deren Rauschen die Qual verstummt.

 

 

 

 

 

 

Matthias Bronisch

Vergessen

 

So vieles vergessen

oft ganz besessen

mich zu erinnern

und doch vergessen

 

Dann kommt das Erinnern

mit einem Wimmern

wenn durch ein Fenster

nachts die Gespenster

die Träume durcheilen

mich hetzen auf Wegen

völlig entlegen

von meinen Orten

ich ringe nach Worten

den Weg zu erfragen

 

In solchen Nächten

und den folgenden Tagen

jagen Gedanken

nach Erinnerungsfetzen

hetzen durch Zeiten

die längst vergangen

durchmessen Gefilde

die dem Vergessen

in Not übergeben

 

Doch aus dem Innern

steigt dann das Wimmern

wenn Erinnrung erwacht

im Traum in der Nacht

 

 

 

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